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Breitensport, Personal/Hintergrund
11.06.2014

Das sportliche Niveau ist gesunken

Das sportliche Niveau im TT-Kreis ist gesunken: Kreisfachwart Thomas Freitag (rechts) und Kreissportwart Reiner Schröder ziehen eine kritische Saison-Bilanz. (Foto: Siegfried Furchert)

Das sportliche Niveau im TT-Kreis ist gesunken: Kreisfachwart Thomas Freitag (rechts) und Kreissportwart Reiner Schröder ziehen eine kritische Saison-Bilanz. (Foto: Siegfried Furchert)

Der Vorstand des TT-Kreises Werra-Meißner zieht eine kritische Saison-Bilanz

Von Siegfried Furchert

ESCHWEGE. Wie ist die Tischtennis-Saison 2013/14 im Werra-Meißner-Kreis aus Sicht des TT-Kreisvorstandes verlaufen? Können Kreisvorstand und die Vereine mit der sportlichen Bilanz zufrieden sein? Welche Lehren müssen im Hinblick auf die Zukunft gezogen, was muss verbessert werden? In einer Saison-Analyse stellten sich Kreisfachwart Thomas Freitag und Sportwart Reiner Schröder den Fragen der Werra-Rundschau. Die Antworten der beiden Vorstandsmitglieder sollten die Verantwortlichen in den Vereinen des Kreises wachrütteln, zum Nachdenken und Handeln anregen.

Kann der TT-Kreisvorstand mit dem Verlauf der Saison 2013/14 zufrieden sein?

Reiner Schröder: Mit dem sportlichen Verlauf der Saison auf Kreisebene können wir sehr zufrieden sein. Von den ursprünglich 132 gestarteten Mannschaften in allen Klassen haben sich nur drei im Verlauf der Saison vom Spielbetrieb zurückgezogen. In den Kreisligen haben wir zum Teil sehr guten Sport gesehen. Die Saison ist auch recht harmonisch verlaufen, weil auch die einzelnen Klassenleiter sehr gute Arbeit geleistet haben.

Wie ist es mit dem Niveau und dem Leistungsstand des Kreises bestellt?

Thomas Freitag: Da müssen doch die Alarmglocken erklingen! Wir sollten unsere Augen davor nicht verschließen: Das sportliche Niveau auf Kreisebene ist gesunken. Damit setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort. Der Blick in die Klassen auf Bezirks- und Nordhessen-Ebene beweist es. Beispiel: Weder in Bezirks- noch Verbandsligen landeten heimische Mannschaften auf vorderen Plätzen oder stiegen auf (Ausnahme: Die Jugend des SV Vierbach wurde Vizemeister in der Bezirksoberliga - sf). Aber der Kreis stellt in einigen oberen Klassen  mehrere Absteiger. In der Pokalrunde auf Bezirksebene sind unsere Mannschaften sehr früh ausgeschieden. Sehr schade auch der Rückzug einer Albunger Damenmannschaft aus der Verbandsliga Nord, weil drei Damen nicht mehr aktiv sind.

Was könnten die Ursachen des sportlichen Rückganges im Kreis sein?

Thomas Freitag:  Wir sehen die Hauptursache in der immer mehr nachlassenden Nachwuchsarbeit der Vereine. Einige der Mannschaften auf Bezirks- und Landesebene bei Damen und Herren sind etwas überaltert, könnten eine Auffrischung gebrauchen. Aber die Clubs haben es versäumt, durch kontinuierliche Jugendarbeit für spielstarken Nachwuchs zu sorgen. Wenn sich das in Zukunft fortsetzt, werden nicht nur die Vereine ausbluten, in ferner Zukunft auch der gesamte Tischtenniskreis.

Reiner Schröder: Von den 39 Vereinen des Kreises befassen sich unseres Wissens nur 19 mit Jugendarbeit. Das geht nicht! Wie sehr die Nachwuchsarbeit zurückgegangen ist, sieht man auch daran: Vor vier Jahren hatten wir noch rund 50 Mannschaften im Jugendspielbetrieb. In der vergangenen Saison 2013/14 stellten sich gerade noch 25 Teams zu Punktspielen auf Kreis- und Bezirksebene – 50 Prozent Rückgang, das ist zu viel! 

Rückgang auch im Spielbetrieb der Damen auf Kreisebene. Wie ist der zu erklären?

Thomas Freitag: Schwer zu erklären, obwohl gerade Tischtennis ein idealer Sport für Mädchen und Frauen ist. Ein Hauptgrund des Rückganges könnte sein, dass in den Vereinen die Betreuung des weiblichen Nachwuchses zu Gunsten der Jungen etwas vernachlässigt wird. Außerdem gibt es zu wenige Betreuer, die sich intensiv gerade mit den Anfängern beschäftigen. Wir versuchen, dem mit der Ausbildung von Kinder-Übungsleitern entgegen zu wirken.

Wie kann die Jugend- und Nachwuchsarbeit im Kreis intensiviert werden?

Reiner Schröder: Die Vereine müssen mehr Eigeninitiativen entwickeln. Es reicht nicht, die Halle aufzuschließen, auch die Betreuung danach muss gewährleistet sein. Bedenklich ist, dass einige große Vereine des Kreises überhaupt keine Jugendarbeit betreiben. Die Clubs, die sich nicht intensiv um den Nachwuchs bemühen, werden  bald überaltern und die Folgen spüren. Die Jugendarbeit muss außerdem  attraktiv gestaltet werden, um den Nachwuchs bei der Stange zu halten.

Thomas Freitag: Eine weitere  Möglichkeit der Nachwuchsfindung ist, dass Vereine an Schul-Standorten in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen an den Schulen Mädchen und Jungen für den Tischtennissport  begeistern. Hier müssen Kontakte geknüpft werden. Kleinere Vereine könnten sich im Jugendbereich zu Trainingsgemeinschaften zusammenschließen. Auch mit Mini-Meisterschaften ist der Nachwuchs zu begeistern. Hauptsache ist, es wird überhaupt etwas unternommen.

Kann der Kreisvorstand den Vereinen helfen?

Thomas Freitag: Wir versuchen, den Vereinen mit Rat und Tat zu helfen, indem wir zum Beispiel Beratung, Lehrgänge und Veranstaltungen anbieten. Doch leider werden unsere Angebote nicht wie gewünscht angenommen, der Kreisvorstand  oft im Regen stehen gelassen. Die Zusammenarbeit Vorstand und Vereine muss auf Kreisebene unbedingt verbessert werden.

Am 14. Juni findet in Ermschwerd der TT-Kreistag 2014 statt.

Thomas Freitag: Am 14. Juni werden wir in Ermschwerd alle Probleme ansprechen.

Hier muss unbedingt auch das Problem des noch immer fehlenden Kreisjugendwartes gelöst werden. Wenn das nicht gelingt, drohen dem Kreis für den Jugendspielbetrieb ernsthafte Konsequenzen.

Kommentar

Es ist noch nicht zu spät!

VON SIEGFRIED FURCHERT

Vorausgesetzt, es gibt im Tischtenniskreis Werra-Meißner noch Vereine, deren Aktive nicht nur Fun-Sport und gelegentlichen Freizeitsport treiben wollen, die auch den Leistungssport noch nicht ad acta gelegt haben. Dann sollten die das  Interview auf dieser Seite mit TT-Kreisfachwart Thomas Freitag und Sportwart Reiner Schröder nicht ungelesen beiseite legen.

Die beiden legen den Finger in die Wunden des Kreises. Denn der sich seit Jahren andeutende Trend, dass das Interesse am Tischtennissport im Kreis nachlässt, das sportliche Niveau immer mehr sinkt, weil vor allem in der Nachwuchsarbeit geschludert und zu wenig getan wird, ist beim Blick auf die Tabellen der vergangenen Saison recht deutlich zu erkennen.

Im Leistungsvergleich mit den Nachbarkreisen schneiden wir ganz schlecht ab. Thomas Freitag und Reiner Schröder wollen mit ihrer Mahnung keine Panik auslösen, aber doch die Clubs wachrütteln, ehe es zu spät für Rettungsmaßnahmen ist.

Denn noch ist es nicht zu spät, noch lassen sich durch gezielte Aktionen, durch mehr Engagement und Einsatz Lücken schließen und Schwachpunkte ausmerzen. Die Vereine müssen nur wollen, ihre Lethargie ablegen. Also aufwachen!!